Ständig. Selbst. Sein.

Das ist der größte Scheiß, mach das nie. Da zahlst du dich dumm und deppert. Mein durchschnittlicher Arbeitstag besteht aus 12-16 Stunden. Ich trinke inzwischen 5-7 Red Bull am Tag. Ich bin so froh, dass ich das gemacht habe. Endlich habe ich das Gefühl, dass richtig etwas weitergeht. Ich glaube, ich bin jetzt echt über den Berg. Ich weiß nicht, warum ich das nicht schon viel früher gemacht habe.

Alle diese Sätze habe ich bereits einmal von Freunden und Bekannten gehört, die sich als UnternehmerInnen selbstständig gemacht haben. Und jetzt gehöre ich selbst in diese selbstzerstörerische Gruppe von kreativen Köpfen. Noch ganz am Anfang, aber schon mit dem Gefühl, dass ich etwas Großes getan habe. Mein Satz dazu: Ein Gewerbe anzumelden, fühlt sich an, wie frisch verliebt sein. Ein Mischung aus Schmetterlingen im Bauch, Angst vor der Zukunft, neuer Lebensenergie, Vertrauen ins eigene Vorhaben und der Frage, ob man auch nichts für die erste romantische Nacht vergessen hat. Egal, zur Not geht es auch mit haarigen Beinen, solange die Leidenschaft da ist (sollte eine Metapher sein, kann man in meinem Fall aber auch wortwörtlich nehmen).

Nein, heute rede ich nicht von Yoga. Oder vielleicht doch. Schließlich ist Yoga ja irgendwie immer dabei, so auch bei meiner frisch gegründeten Werbeagentur. Erstens im Namen „Der herabschauende Hund“, zweitens im Schwerpunkt Yoga & Kunst. Und auch diese zwei Themen hängen in meinem Leben eng zusammen, denn beide begegneten mir zum ersten Mal in meiner Schauspielausbildung vor 10 Jahren. Im Unterricht waren mentale und körperliche Ausdrucksformen, die ihren Ursprung im Yoga fanden, nicht wegzudenken. Verschiedene Asanas und Formen der Meditation halfen dabei, sich für Rollen vorzubereiten, zur Ruhe zu kommen, sich zu konzentrieren und körperlich fit zu bleiben. Nur, dass ich damals noch nicht wusste, dass all das Yoga ist. Praktiziert habe ich es trotzdem. Seitdem spannt sich in mir ein feines Band zwischen Yoga und Kunst, das mich nun auch auf meinem Weg zur eigenen Werbeagentur inspiriert hat. Ganz so einfach war es aber auch wieder nicht, denn der Schuh musste schon wirklich g’scheit drücken und der Fuß darin grausig kaseln ( = „stinken“ im Pinzgauer Dialekt), bevor ich ihn endlich ausgezogen und meine Zehen in den Wind gehalten habe.

Wenn ich nun auf die Entwicklung zur Selbstständigkeit zurückblicke, bin ich mir nicht mehr sicher, wie sich das Ursache-Wirkung-Geflecht wirklich aufgebaut hat. Aber im Endeffekt ist das nicht wichtig. Auf jeden Fall sind mit der Entscheidung zum eigenen Unternehmen einige andere, wichtige Änderungen in meinem Leben einhergegangen, so zum Beispiel auch ein Jobwechsel im Angestelltenverhältnis zu einer großen Agentur, in der ich Teilzeit arbeiten, mich ständig weiterbilden und mich in der restlichen Zeit in meine eigenen Projekte vertiefen kann. Nichts hat mich zu all dem so motiviert und mir Vertrauen und Mut gegeben, wie die Ausbildung zur Yogalehrerin.

Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich die Anmeldung dazu nicht abgeschickt hätte. Und wer weiß, was noch alles passieren wird. Was jetzt passiert, das weiß ich aber, ist gut. Und dafür verneige ich mich in Dankbarkeit.

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