Neue Yogalehrer, neues Glück…?

Drittes Ausbildungswochenende – Freitag

Heute war ich im Homeoffice, deshalb bin ich relativ entspannt, als ich den Kursraum betrete. Aber nicht nur deshalb fühle ich mich wieder so, wie im letzten Wanderurlaub, als ich abends endlich meinen 12 kg Rucksack ablegen durfte oder als ich nach 5 km Gehen im Platzregen wieder in eine trockene Unterhose wechseln konnte. Seit ich das letzte Mal in diesem Raum war, habe ich meinen Job gekündigt und eine neue Stelle als „Head of PR“ in einer renommierten Agentur für 30 Stunden gefunden, in dem ich fast gleich viel verdiene wie zurzeit für 40 Stunden. Außerdem habe ich endlich mein eigenes Kleingewerbe angemeldet, eine Werbeagentur. Die Rückenschmerzen sind nach wie vor präsent, allerdings haben sich meine Kopfschmerzen um 90 % reduziert. Ich habe mich von hormonellen Verhütungsmitteln verabschiede und nach einem „harten“ Entzug mit vielen Schmerzen und medikamentöser Unterstützung ist nun endlich seit mehr als drei Jahren mein Zyklus wieder am Leben. So also komme ich zum dritten Ausbildungswochenende und werde gleich von vielen Kurskolleginnen auf meine neue Firma angesprochen und ich bekomme viel Zuspruch und einige Glückwünsche. Inzwischen fühlt es sich hier sehr vertraut an, so als ob man sich schon sehr lange kennen würde und Sachen sagen könnte, wie: Weißt du noch, als du dich damals bei der Hüttenfeier am Jägermeister verschluckt hast und er dir aus der Nase herausgespritzt ist? Nur, dass es in dieser Gruppe eher Yogi-Tee ist, als Kräuterschnaps. Obwohl…

Dieses Mal neu: Karin und Tom, zwei Assistenzlehrer von Lois, die uns durch dieses Wochenende führen werden. Ich habe mir bereits Gedanken zu den beiden gemacht und mein Erster Eindruck aus der Vorstellungsrunde am ersten Ausbildungstag bestätigt sich. Irgendwie komisch, ich hatte darauf gehofft, mit unerwarteten Charakterzügen und Programmen zu überrascht zu werden. Karin leitet zum Anfang die Meditation, dabei geht es mir gut, obwohl sie einen etwas strengen Ton hat. Aber sie arbeitet in Bildern, denen ich mich gut hingeben kann, wie zum Beispiel die Wellen des Ozeans in Verbindung mit dem Atem. Danach kommt eine Yin Yoga Einheit, die ich irgendwie ebenfalls als ein wenig zu intensiv empfinde, und oft kommen keine Alternativen für Nicht-Gummimenschen, aber es ist trotzdem interessant und mal eine Abwechslung.

Eines ist nun klar: Karin weiß viel, sagt viel und macht viel. Ziemlich viel. Und ich bin ein wenig überfordert, irgendetwas sträubt sich in mir. Open mind, open heart, sagt sie mir, als ich versuche zu erklären, dass ich nicht an das Göttliche im Außen glaube, sondern nur in mir selbst und mir das eher Ruhe und Frieden gibt, als umgekehrt. Ich fühle mich gleich angegriffen und weiß nicht, warum ich so empfindlich auf sie reagiere. Vielleicht erinnert sie mich an jemanden oder etwas aus meiner Vergangenheit, der/die/das mich innerlich immer noch aufwühlt. Am liebsten möchte ich ihr sagen: Practice, what you preach. Aber ich möchte keine Diskussion, es gibt so schon genügend Aufruhr in der Runde, denn nicht nur ich reagiere stark auf unsere neue Kursleiterin. Besonders mit anderen Teilnehmerinnen, die gerne viel sagen und starke Meinungen vertreten, gibt es Reibeflächen, die wie elektrische Spannungsfelder in der Luft schweben.

Karin macht mit uns eine Schreib-Meditation, weil sie sehr gerne schreibt. Stell dich hinten an, denke ich. Gleichzeitig stört es mich, dass wir so etwas Wertvolles gemeinsam haben und ich schäme mich ein wenig für meine kindischen Blockaden ihr gegenüber. Wir sollen aufschreiben, was wir denken, fühlen, alles, was uns in den Sinn kommt. Im Folgenden meine Notizen (zur Gedankenteilung und Unterhaltung):

  1. Karin von Scientology geschickt?
  2. Nicht so Rückenweh wie letztes Mal
  3. Möchte Buch schreiben + Film drehen
  4. Tom ist klein, wie ein dünner Buddha
  5. Helenes* Haare sind rosa – nicht süß, toll
  6. Mediation mit Wellen klappt gut
  7. Das Klangdings macht mich nervös, erinnert mich an den Krampus
  8. Lustiger Soundtrack, fühle mich wie in der Eukalyptussauna im Salurner Bad
  9. Vielleicht kann ich nur alleine existieren und wachsen – vielleicht bleibe ich stehen und werde kleiner
  10. Beate* ist ein guter Mensch mit Tiefe und viel Disziplin
  11. Irgendwie mag ich Menschen und irgendwie nicht – Nähe ist komisch

Wir finden schwer zu einem Schluss, immer wieder wird etwas eingeworfen. Irgendwann sagt Thomas schließlich, dass wir morgen weitermachen. Ich glaube, das war das erste Mal an diesem Tag, dass ich seine Stimme gehört habe. Ich hoffe, dass er sich am Wochenende mehr einbringt und sich nicht von Karin unterbrechen lässt. Ich würde gerne hören, was er zu der ganzen Sache hier sagt. Ich vermisse Lois und seine friedliche Unvoreingenommenheit in allen Dingen.

*Kurskolleginnen

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