Lisas Lichtreise

Drittes Ausbildungswochenende – Sonntag

Lisas Lichtreise, so habe ich meine Version der Endentspannung genannt. In alter Marketing-Manier natürlich gleich in Alliteration und mit Namens-Branding. Man kann seine Haut eben nicht immer abstreifen. In diesem Beitrag geht es nur um meine erste Leitung einer Entspannungs-Übung in meiner Yogalehrer-Ausbildungs-Gruppe. Diese fand am Sonntag statt und war einfach wundervoll, für mich sowieso, und erfreulicherweise auch für die zu entspannenden Kolleginnen. Mein erstes „Mini-Yogalehrer-Erlebnis“ sozusagen. Ein guter Anfang, und heute schreibe ich nur über das Gute. Weil es ja sowieso immer viel zu kurz kommt.

So Lisa, du darfst gerne mit mir den Platz tauschen und beginnen, wenn du soweit bist, sagt Assistenzlehrerin Karin nach einer kurzen Asana-Praxis am Sonntag Vormittag. Jetzt heißt es, improvisieren und ruhig atmen. Fuck it, was kann schon passieren. Geübt habe ich zwar nicht mehr, weil ich gestern einfach zu müde war. Aber mir hat ja auch noch niemand Geld dafür gezahlt, und außerdem sind wir ja alle im selben Boot. Also kein Stress, wäre ja schließlich etwas kontraproduktiv für eine Entspannungs-Übung. Als ich meine Matte in die Mitte des Raums trage, denke ich an einen Lehrer in der Schauspielschule, der in seinen Konzentrations-Übungen oft einen Lichtball durch den Körper geschickt hat. Ich war ein großer Fan dieser Meditation. Und auch ein großer Fan dieses Lehrers, der damals schon viele Elemente des Yoga in den Schauspielunterricht mit eingebunden hat. Der Gedanke an ihn beruhigt mich, er war ein ruhiger, tiefgründiger Mann. Also lasse ich die Übung wieder aufleben und bitte alle Damen, sich hinzulegen und es sich gemütlich zu machen. Als sich niemand mehr rührt und alle Augen geschlossen sind, beginnen wir unsere Reise. Karin möchte, dass ich die Kursteilnehmerinnen mit „Du“ anspreche, aber das fühlt sich für mich nicht richtig an. Ich bleibe in der Mehrzahl, wir sind schließlich eine Gruppe. Ich lasse den Lichtball mit meinen Worten entstehen, er leuchtet zuerst warm und in der inividuellen Lieblingsfarbe jeder Teilnehmerin (und natürlich auch von Assistenzlehrer Tom) im unteren Bauchraum. Danach wandert er in den Bereich des Körpers, der an diesem Tag am meisten Aufmerksamkeit braucht, und leuchtet dort noch heller und größer. Danach an die Stelle, die heute am meisten „zwickt“ u. s. w. … Am Schluss der Übung, nach ca. 10 Minuten, wandert die Lichtkugel in den Bauch zurück und wird dort langsam kleiner und dunkler, bis sie nur mehr eine wohltuende Erinnerung ist. Zurück bleibt ein angenehm-warmes Gefühl im ganzen Körper. Nachdem sich auf meine Aufforderung hin alle gestreckt haben und wieder ins Sitzen gekommen sind, bedanken wir uns mit einem Namaste und viele verträumte Augenpaare blinzeln mich an. Karin sagt als erste Danke und empfindet sich als sehr entspannt. Puh, Glück gehabt. Nur manchmal einen Hauch lauter hätte ich sprechen können. Ok, das kann ich annehmen und habe ich selbst bemerkt. Tom ist extrem erleichtert, dass ich ein wenig Dialekt in die Ansage gebracht habe. Keine Ahnung, warum. Vielleicht ist er in der Schule nicht so gut in Deutsch gewesen. Oder er mag es einfach lieber. Und die Kurs-Kolleginnen? Eine wollte ihren Lichtball gar nicht mehr hergeben, eine andere wäre fast eingeschlafen. Und die dritte, die mir Feedback gibt, fragt mich nach dem Namen dieser Übung, denn sie möchte sie in ihre Praxis als Psychotherapeutin mit einfließen lassen. Hmmmm, überlege ich kurz, bevor ich spontan herausplatze: Lisas Lichtreise, ja, das passt.

Ich weiß nicht, ob ich es schon gesagt habe, aber: Es war ein wirklich guter Anfang.

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